Forschungsprojekte

Alternativen zu Glyphosat und Co. im Weinbau?

 

Unterstockbodenpflege 4.0 

Im Weinbau wird der Unterstockbereich zwischen den Rebstöcken durch verschiedene Verfahren von konkurrierenden Beikräutern befreit. Ziel ist es, die mikroklimatische Situation für die Rebe zu verbessern, Wasser- und Nährstoffkonkurrenz ein-zuschränken und damit Ertrag und Qualität der Trauben zu garantieren. Das Zeitalter der Digitalisierung bietet vielfältige Potentiale zur Steigerung der Effizienz des Betriebsmittel- und Arbeitskräfteeinsatzes sowie zur Verbesserung der Nachhaltigkeit durch Ressourcen- und Umweltschutz. Neben den bewährten Möglichkeiten, wie mechanische Verfahren sowie Herbizideinsatz, werden am DLR Rheinpfalz im Rahmen eines Forschungsprojektes neue innovative Verfahren auf ihre Praxistauglichkeit geprüft.

Pferd als „Zugmaschine: Noch bis vor 50 Jahren wurden Pferde im Weinberg für viele Arbeiten eingesetzt und mit Hackarbeiten von Winzern ergänzt. Für die Bodenbearbeitung mit Pferd muss bei drei – vier Arbeitsgängen mit einem Zeitaufwand von 30 - 40 Std/ha Weinberg pro Jahr gerechnet werden. (Damaliger Zeitaufwand ca. 2200 Stunden pro Hektar Weinberg im Jahr (Std/ha/Jahr), heute eher bei 250 Std/ha/Jahr.) Der Pferdeinsatz spielt heute nur bei wenigen Betriebe eine Rolle.

Mechanische Beikrautbekämpfung (Rollhacke, Scheibenpflug, Räumschar, Unterstockkreisel usw.):

  • Bewährtes Verfahren mit unterschiedlichen mechanischen Ansätzen
  • Lockerung und Belüftung des Unterstockbereichs
  • Mobilisierung von Stickstoff (je nach Standort positiv oder negativ)
  • Gefahr von Stockverletzungen (Zunahme von holzzerstörenden Pilzen)
  • Keine 100%ige Wirkung; Problem: Stockinselbildung
  • Begrenzter Einsatz in Steillangen, bei Seitenhang, schweren Böden, Steinanteil
  • Erfordert hohe Anforderungen an den Fahrer
  • Sehr gute Kombinierbarkeit mit anderen Arbeitsgängen (Kostenersparnis; Gesamtkosten für zwei zusätzliche Bearbeitungsdurchgänge 536 €/ha/Jahr)

 

Einsatz von Herbiziden:

  • Sehr effektiv und wirksam
  • Häufig verbreitet: Wirkstoffe Glyphosat („Roundup“) sowie Flazasulfuron („Katana“)
  • Der Wirkstoff Glyphosat gehört zu den bestuntersuchten Wirkstoffen weltweit, die Zulassung in der EU ist befristet
  • Kostengünstig (Gesamtkosten incl. Ausbringung: ca. 150 €/ha/Jahr)

Beloukha – Herbizid auf pflanzlicher Basis

Beloukha enthält den Wirkstoff Pelargonsäure, welcher ausschließlich aus pflanzlichen Ölen gewonnen wird. Das Mittel ist ein nichtselektives Totalherbizid gegen einjährige ein- und zweikeimblättrige Unkräuter mit reiner Kontaktwirkung. Die Pelargonsäure wirkt wie ein Abbrenner und zerstört die Blattcuticula der Beikräuter. Über verholzte Pflanzenteile kann der Wirkstoff nicht aufgenommen und bis zur Wurzel transportiert werden. Bei der Anwendung sollten die Beikräuter nicht länger als zwölf Zentimeter sein, rosettenbildende Unkräuter, wie beispielsweise Weidenröschen oder Kanadisches Berufskraut, sollten nicht größer als acht Zentimeter sein. Während in Frankreich und Österreich bereits eine Zulassung als Herbizid für den Weinbau vorliegt, wird diese zurzeit von der Herstellerfirma Belchim in Deutschland angestrebt. Die Gesamtkosten incl. zweimaliger Ausbringung liegen bei ca. 250 €/ha/Jahr.

ELECTROHERB – Unkräuter unter Strom setzen

Ein innovatives Verfahren stellt die Bewuchskontrolle mittels elektrischer Hochspannung dar (Fa. Zasso, „Elektroherb-Verfahren“). Laut Zasso arbeitet das Verfahren mittels Hochspannung auf Gleichstrom- bzw. hochfrequenter Wechselstrombasis (5.000 bis 15.000 V). Die Spannung wird über Applikatoren auf die Pflanze übertragen. Der Strom fließt über den ersten Applikator durch die Pflanze in den Boden. Der Stromkreis wird durch einen zweiten Applikator, welcher Kontakt mit einer anderen Pflanze oder dem Boden hat, geschlossen. Der Strom breitet sich über die Leitbahnen bis hin zu der Wurzel aus und schädigt diese nachhaltig, sodass die Pflanze abstirbt. Während es bereits erfolgversprechende Ergebnisse aus landwirtschaftlichen Kulturpflanzen wie dem Sojabohnenanbau gibt, liegen bisher für den Weinbau noch keine Versuchsergebnisse vor. Offene Fragen wie Wirksamkeit, Stromverbrauch, variable und fixe Kosten, Einfluss auf das Bodenlebewesen usw. gilt es im laufenden Forschungsprojekt zu bearbeiten.

Heißwasseranwendung: Verbrühungsgefahr für die Unkräuter

Die Verwendung von Heißwasser führt nach Applikation rasch zur Welke von Beikräutern und innerhalb weniger Tage zum Eintrocknen. Allerdings kann keine dauerhafte Wirkung erzielt werden und der Aufwuchs relativ schnell wieder neu austreiben. Für den Heißwassereinsatz wurden Geräte eingesetzt, die bereits erfolgreich im Kommunalbereich eingesetzt werden (Firma Mantis ULV-Sprühgeräte in Zusammenarbeit mit der Fa. Ebinger, Rhodt www.ebinger-gmbh.com; Fa. Unkauf aus Abstatt, welche Geräte der Firma Waterkracht www.waterkracht.de) vertreibt. Über eine Schwenkvorrichtung gelangt das heiße Wasser (98°C) in den Unterstockbereich. Bei einer Fahrgeschwindigkeit von ca. 2 km/h wird eine Wassermenge von zwei Mal 15 Litern pro Minute vom Hersteller angegeben (entspricht 15.000 L Wasser/ha!). Diese Angaben werden 2019 in einer genauen Kostenbetrachtung näher geprüft. Die langsame Fahrgeschwindigkeit sowie der hohe Wasserverbrauch/ha schränken zum jetzigen Zeitpunkt einen großflächigen Einsatz in der Praxis weitestgehend aus.

VPA (Vineyard Pilot Assistant) – Lasertechnik im Weinberg

Um die mechanische Beikrautregulierung mit Scheibenpflug oder Rollhacke im Hinblick auf Arbeitsqualität, Effektivität sowie Schlepperfahrerentlastung weiter zu optimieren, hat die Fa. Braun ein Assistenzsystem entwickelt. Bei dem sogenannten VPA (Vineyard Pilot Assistant) können unabhängig vom Fahrer alle Anbaugeräte gesteuert und an die verschiedenen Weinberge angepasst werden. Zurzeit wird das Gerät im Rahmen einer Bachelorthesis am Weincampus Neustadt getestet und auf Praxistauglichkeit geprüft.

 

Ansprechpartner:

Dr. Matthias Petgen und Oliver Kurz, Institut für Weinbau und Oenologie,
DLR RHEINPFALZ, Breitenweg 71, D-67435 Neustadt/W.,
Telefon +49 (0)6321/671-220 oder -229

matthias.petgen@8< SPAM-Schutz, bitte entfernen >8dlr.rlp.de oder oliver.kurz@8< SPAM-Schutz, bitte entfernen >8dlr.rlp.de