Vitamin B12-Versorgung im All?

Vitamin B12-Versorgung im All?

 

S. cerevisae könnte Habinauten langfristig versorgen

 

Der Hefe Saccharmomyces cerevisiae haben wir Menschen bereits viel zu verdanken. Sie ist hauptverantwortlich für die Herstellung von alkoholischen Getränken und auch als Bäckerhefe im Einsatz. Zudem produziert sie Vitamin B12 und Fette. Die Versorgung mit Vitamin B12 von Menschen, die sich länger im Weltraum aufhalten, ist eine der Herausforderungen, mit der sich das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln beschäftigt. Habinauten werden sich nur rein vegetarisch ernähren können, da dies in einem geschlossenem System wie einer Raumkapsel als einzige ökologische Variante zu empfehlen ist. Mit der rein vegetarischen Ernährung wird es allerdings zu einem Mangel an Vitamin B12 kommen und damit zu einer schrittweisen Degradierung des neuronalen Systems. S. cerevisae wäre hier ein möglicher Vitamin B12 Lieferant, der günstig zu kultivieren ist und die nötigen Vitamine liefert. Deshalb ist es wichtig den Einfluss der Beschleunigung, Schwerelosigkeit und Strahlung, wie sie bei einem Aufenthalt im All auftreten, auf die Hefezellen und die Produktion von Vitamin B12 hin zu untersuchen. Die Zellen wurden am Weincampus Neustadt vorab getestet und angezogen, um mit einer Höhenforschungsrakete des MAPHEUS Programms des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt einen Parabelflug zu absolvieren. Am frühen Morgen des 13. Juni 2019 wurde ein Teil der Hefekultur ins All geschossen, der zweite Teil verblieb als Referenz in Kiruna vor Ort auf der Erde. Nach erfolgreicher Landung kamen beide Proben über den Umweg Köln wieder in Neustadt an. Dort wurden am Weincampus bislang Wachstumsversuche mit beiden Kulturen durchgeführt, die aktuell keine Unterschiede zwischen dem geflogenen Teil und der Referenz zeigen. Die Zellen wurden weiter kultiviert und bei der Wein- und Bierbereitung eingesetzt. Dies ist das preiswerteste Verfahren, um Veränderungen auf die Zellen durch den Flug detektieren zu können. Auch die sensorische Beurteilung von mehr als 300 Probanden in einem Triangeltest zeigte sowohl bei einem untrainierten als auch bei einem trainierten Panel keinen signifikanten Unterschied bezüglich Geruch und Geschmack der Getränke. Der Großteil der Probanden konnte weder das „Allbier“ noch den „Allwein“ von den Varianten, die mit dem auf der Erde verbliebenen Stamm erzeugt wurden, unterscheiden. Dies ist ein Hinweis darauf, dass der Flug keinen Einfluss auf die Hefezellen hatte und grundsätzlich für die Versorgung der Habinauten mit Vitamin B12 genutzt werden kann.

Friederike Rex ist Mikrobiologin in der AG Scharfenberger-Schmeer am Institut für Weinbau und Oenologie des Dienstleitungszentrums ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz in Neustadt an der Weinstraße und lehrt am Weincampus Neustadt.

Dominik Rödel ist ein Geschäftsführer des LandauerBierprojekts.  

Jens Hauslage ist Wissenschaftler am Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

 

 

Dr. Friederike Rex

Wissenschaftliche Mitarbeiterin
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